Antwort auf: ...der große Diktator von MoD

Farman
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>Den Klassiker gestern auch zum ersten Mal gesehen. Ich hab mich stellenweise schlapp gelacht. Da können einige "moderne" Machwerke nicht mithalten. Sehr gewagt für die damalige Zeit (1940) und leider traurig, wenn man die (geniale) Schlussrede hört und weiss, wie es in der Realität ausging.

Die großartigste Stelle des Films ist und bleibt die erste Adenoid Hynkel-Rede: [http://www.youtube.com/watch?v=LMV4oGzxu7g].
Was Chaplin hier ausdrückt, auszudrücken scheint oder irgendwie auch nicht ausdrückt, sondern einfach macht, sprengt den Rahmen einer jeden "Satire" und geht milliardenfach über das hinaus, was Kleingeister, die erstmal interpretieren und dann sehen, mit diesem Film primär in Verbindung bringen. Wenn man sich konzentriert, dann versteht man zu erstaunlich oft, wovon Hynkel gerade spricht. Das ist und bleibt die brillanteste Verunglimpfung einer von Faschisten verwendeten Sprache und Rhetorik überhaupt. Wenn er sagt "stränglen die Tschutten", sprich die Juden zu erdrosseln, und dabei das englische Wort "strangle" verdeutscht, und sich das Mikro dreht und die Form von einem Seil annimmt, oder wie er den Begriff "aufstocken" in den im wahrsten Sinne des Wortes stockenden Rhythmus verarbeitet, und wie er es schafft, etwas derartig komplexes wie den "sinngemäßen" Inhalt einer solchen Rhetorik so musikalisch in fast schon rein instiktives und intuitives Verständnis zu lenken, das ist, milde gesagt, unglaublich. Mit der Etablierung des Tonfilms und des Faschismus wird den Zeichen seiner Zeit gemäß das erste Mal das gesprochene Wort zur Pantomime, Wörter fallen wie im Slapstick auf ihren Arsch und raffen sich wieder auf. In der Tat sind "moderne" Werke dagegen nicht einmal der Erwähnung wert.

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Ich vermag natürlich besser zu dichten, als wie's hier geschieht. Ich spare mich für später auf.
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